
September 2026
AI & Analytics, Daten & Interoperabilität, Future Healthcare
Fragmentierte, nicht standardisierte Gesundheitsdaten erschweren die Forschung, treiben die Kosten in die Höhe und schränken die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen ein. Offene Plattformen sorgen für Struktur und Interoperabilität und ermöglichen es, Daten in großem Umfang für schnellere und wirkungsvollere medizinische Fortschritte zu nutzen.

Jeder bedeutende Fortschritt in der Gesundheitsforschung basiert auf dem Fundament gemeinsamer Erkenntnisse und Daten. Die Fragmentierung von Daten bleibt jedoch eine anhaltende Herausforderung: In Europa gehen laut dem Europäischen Forschungsraum (EFR) jährlich zwischen drei und fünf Milliarden Euro in der Forschung verloren, da Daten isoliert vorliegen und die Gesundheitssysteme nicht interoperabel funktionieren.
Um die Ursache dieser Herausforderungen zu erkennen, muss man verstehen, wie sich nicht interoperable Daten in der Praxis auf die Forschung auswirken. Nehmen wir als Beispiel Daten im Zusammenhang mit Diabetes. Blutzuckermessungen, einer der Parameter für Diabetesstudien, werden von den verschiedenen Gesundheitsdienstleistern oft uneinheitlich gespeichert:
Solche Unterschiede bei der Datenerfassung gibt es nicht nur zwischen Krankenhäusern, sondern auch innerhalb von Kliniken. Sind Daten auf so unterschiedliche Weise kodiert, funktionieren sie nur innerhalb der Datenbank eines bestimmten Krankenhauses und können von Forschenden nicht direkt für den Abgleich mit Datensätzen aus anderen Systemen oder Krankenhäusern verwendet werden. Somit stehen Forschende, die auf Blutzuckerdaten aus mehreren Krankenhäusern zugreifen und diese nutzen möchten, vor mehreren Herausforderungen:
Damit Forschung effektiv und kosteneffizient sein kann, ist ein nahtloser Zugang zu strukturierten Daten über verschiedene Gesundheitsorganisationen und Einrichtungen hinweg erforderlich – und hier bieten offene Plattformen das entscheidende Fundament. Sie stellen sicher, dass Gesundheitsdaten unabhängig von dem System, das sie erstellt hat, strukturiert und zentral gespeichert werden und in Echtzeit verfügbar sind.
Dies bietet der Forschung mehrere Vorteile:
Als Universitätsmedizin Bochum haben die Medizinische Fakultätund das Universitätsklinikumder Ruhr-Universität Bochum(UK RUB) einen offenen Plattformansatz gewählt, um eine nahtlose Forschungszusammenarbeit zwischen den acht Trägern des UK RUB zu ermöglichen und eine zentrale Stelle für die Datenbereitstellung an die Medizininformatik-Initiative (MII) zu etablieren.
Bei ca. 800.000 PatientInnen pro Jahr wird die Forschungsinfrastruktur der Universitätsmedizin Bochumriesige Mengen klinischer, pseudonymisierter Daten in einem standardisierten, interoperablen System zusammenführen und so sicherstellen, dass Forschende der UK RUB aber auch Forschende der MII effizient Zugang zu hochwertigen Datensätzen erhalten.
Jedes Krankenhaus innerhalb der Universitätsmedizin Bochumbehält die Kontrolle über sein lokales Datenmanagementsystem, während es einer zentralen Instanz pseudonymisierte Forschungsdaten bereitstellt.
Mit einem initialen Fokus auf die Basismodule des Kerndatensatzes der Medizininformatik Initiative (MII) legt das offene Plattformprojekt der Universitätsmedizin Bochumden Grundstein für groß angelegte, datengestützte Studien, die letztlich die medizinische Forschung beschleunigen und perspektivisch die Behandlungsergebnisse für die PatientInnen verbessern können.
Ähnlich wie die Universitätsmedizin Bochumentwickelt das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim eine innovative Forschungs-IT-Plattform (FIT), um die datengesteuerte Forschung in den Bereichen psychische Gesundheit und psychiatrische Störungen zu verbessern. Das Herzstück der FIT-Plattform ist die HIP der vitagroup, die Daten aus den verschiedenen IT-Systemen des Instituts zentral vereinheitlich speichert und zur Verfügung stellt, wodurch eine strukturierte Speicherung und Interoperabilität gewährleistet werden:
Dank der zentralen Datenspeicherung, durch die HIP, können Forschende Patientendatensätze effizient abfragen, Studienparameter definieren und auf hochwertige klinische Informationen zugreifen, ohne die Vertraulichkeit der Patientendaten zu gefährden. Die Plattform automatisiert auch das Einwilligungsmanagement und vereinfacht die Genehmigung von Forschungsanfragen.
Offene Plattformen schließen die Lücke zwischen fragmentierten Datenquellen. So kann die Gesundheitsforschung effizienter, skalierbarer und vernetzter werden und letztlich die Art und Weise verändern, wie wir Krankheiten verstehen und behandeln.
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